Mein letzter Arbeitstag in der Agentur war der 28. Februar 2025. Fünfzehn Jahre — vom Praktikanten über den Consultant bis zur Leitung eines siebzehnköpfigen Entwicklungsteams. Der Entschluss war Ende 2024 gefallen, der Start als Solo-Selbstständiger kam wenige Monate später. Dieser Text ist keine Abrechnung. Er ist die Inventur, die ich vor dem Start für mich selbst gemacht habe: Was nehme ich mit, was lasse ich zurück — und warum.
Warum ich gegangen bin
Die kurze Version: In meiner Rolle ließ sich kaum ein Tag planen. Spontan in einem Projekt aushelfen, am Nachmittag einen Pitch vorbereiten, sich über Nacht in eine Technologie einarbeiten und sie am nächsten Tag als Experte vor einem Kunden vertreten — das war der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Technisch kam ich damit immer zurecht. Was auf Dauer zehrte, war etwas anderes: mein eigener Anspruch, vor einem Kunden nichts zu behaupten, das ich nicht selbst durchdrungen hatte. Diese Haltung unter ständigem Zeitdruck aufrechtzuerhalten kostet mehr Energie, als von außen sichtbar ist. Mit einer kleinen Tochter zu Hause wurde der Wunsch nach mehr Planbarkeit einfach wichtiger — und irgendwann war klar, dass ich ihn in einem anderen Rahmen besser einlösen kann.
Ich erzähle das nicht, um die Agentur schlechtzureden — die Jahre dort haben mich zu dem gemacht, der heute eigenständig arbeitet. Ich erzähle es, weil die Begründung der Punkt ist, an dem so ein Text glaubwürdig wird oder eben nicht.
Was ich mitnehme
Drei Dinge aus dem Agenturalltag haben sich so bewährt, dass ich sie unverändert übernommen habe.
Eine ernsthafte Schätzmethodik. In der Agentur wurde nicht „Pi mal Daumen" geschätzt, sondern strukturiert: Aufwände zerlegt, Annahmen offengelegt, Risiken benannt. Der eigentliche Wert ist der Nebeneffekt — eine saubere Schätzung ist bereits der halbe Projektplan. Wer so schätzt, hat das Projekt vorher einmal im Kopf durchgespielt.
Strukturiertes Arbeiten und PM-Handwerk. Aus Pitches und gelieferten Projekten ist über die Jahre ein Repertoire entstanden, das heute zur Grundausstattung gehört: wie man Scope schneidet, Abhängigkeiten sichtbar macht, eine Eskalation führt, bevor sie zur Krise wird. Das ist kein Zertifikatswissen — es entsteht erst in echten Projekten.
Immer etwas Greifbares parat. Vor jedem ersten Kundengespräch hatte ich in der Agentur eine klare Struktur dabei, wie ich an das Problem herangehen würde — keine Hochglanz-Folienschlacht, aber etwas Vorbereitetes. Diese Gewohnheit habe ich behalten. Sie zwingt mich, vor dem Gespräch nachzudenken, statt erst im Termin.
Was ich jetzt bewusst anders mache
Genauso wichtig ist die andere Liste — die Dinge, an denen ich mich oft gerieben habe und die ich heute anders löse.
Den Technologie-Stack wähle ich frei. Als Teil einer Agentur empfiehlt man auch das, was Partnerverträge, vorhandene Lizenzen oder die gerade verfügbaren Skills nahelegen. Solo schlage ich vor, was für das Problem wirklich Sinn ergibt — und sage auch, wenn die teure Enterprise-Lösung für einen Mittelständler die falsche ist. Dieser Freiheitsgrad ist einer der wichtigsten Teile meiner Arbeit geworden.
Statusmeetings sind schlank. Berichtsroutinen können sich verselbstständigen, bis das Reporting mehr Zeit kostet als die Arbeit, über die berichtet wird. Meine Updates sind heute kurz, schriftlich, entscheidungsorientiert. Das ist nicht nur effektiver — es ist für den Kunden schlicht günstiger.
Verfügbarkeit ist eine Entscheidung, keine Erwartung. Erreichbarkeit nach Feierabend gibt es weiterhin — aber bewusst, vereinbart und transparent abgerechnet. Der Unterschied ist nicht die Zahl der Stunden. Es ist, dass ich heute weiß, wofür ich sie investiere und für wen.
Was mich überrascht hat
Eine Sache hatte ich falsch eingeschätzt: die Akquise. Ich hatte mit zähem Klinkenputzen gerechnet. Tatsächlich ging ein eher beiläufig geschriebener LinkedIn-Beitrag unerwartet durch die Decke — und der erste Lead daraus wurde direkt der erste Kunde. Überraschender als der Lead war, wie reibungslos die Zusammenarbeit von der ersten Minute an lief. Im Rückblick ist das keine Glückssache: Wer fünfzehn Jahre lang sagt, was er denkt, zieht Menschen an, die genau das suchen.
Für wen ich das mache
Meine Arbeit passt am besten zu mittelständischen Unternehmen und kleineren IT-Abteilungen, die Lust haben, Dinge tatsächlich zu verändern — nicht nur darüber zu reden. Was sie bekommen, lässt sich konkret benennen: einen festen Ansprechpartner, den sie kennen und der antwortet. Lösungsvorschläge ad hoc im Termin, nicht in einer Schleife zwei Wochen später. Wenige bis keine Zwischenebenen. Und Einschätzungen aus fünfzehn Jahren echter Endkundenprojekte — nicht aus einem Foliensatz.
Das ist kein Versprechen von „mehr Pragmatismus". Es ist eine andere Bauform der Zusammenarbeit: weniger Apparat, mehr direkte Verantwortung.
Wenn das nach der Art klingt, wie Sie arbeiten wollen — Technical Consulting ist der Bereich, in dem ich am meisten bewege: von der Architektur-Entscheidung über Systemintegration bis zur Performance. Der einfachste erste Schritt ist ein unverbindliches 30-Minuten-Gespräch: Sie schildern, woran es klemmt, und wir klären, ob und wie ich helfen kann.